Die Learning Factory ist ein Anbieter einer Unternehmenssimulation mit dem Titel „Fabrik im Seminarraum“, in der sämtliche Teilprozesse eines Unternehmens inklusive der externen Prozesse wie Kunde und Lieferant abgebildet werden. Ziel ist es hierbei, den TeilnehmerInnen quasi einen Blick „von oben“ auf ein Unternehmen zu geben.
Wir sprachen mit Ralf Volkmer, welcher die „Fabrik im Seminarraum“ maßgeblich mitentwickelt hat und sowohl beruflich und privat einige Social Media Kanäle nutzt.
Interview mit Ralf Volkmer
1.)
Hallo Herr Volkmer, man hat lange nichts mehr von Ihnen gehört. Wie geht es Ihnen?
Lange ist natürlich relativ. Aber es stimmt, da ich mich meinem ursprünglichen Themenfeld der Prozessorganisation wieder zugewendet und hier mit Kollegen ein wenig Entwicklungsarbeit geleistet habe. Und mir geht es gut, danke der Nachfrage.
2.)
Auf der Internetseite der Learning Factory steht unter anderem, dass „Kaizen nicht mehr losgelöst von Change“ zu betrachten ist. Was genau ist damit gemeint?
Kaizen, wie Sie wissen, kommt ursprünglich aus Japan und bedeutet soviel wie „Veränderung zum Bessern“. In vielen Fällen scheitert die Einführung von Kaizen, weil es nach dem Motto „Wir müssen besser werden!“ gepaart mit einer „Qualifizierungsoffensive“ aufgesetzt wird. Um besser zu werden und/oder um nachhaltig zu qualifizieren, bedarf es aber die Bereitschaft der Betroffenen und davor eine Sensibilisierung. Damit letztlich die Erkenntnis reift, sich selbst verändern zu wollen und zwar in jedem. Egal ob Azubi, Fach- und Führungskraft und/oder das Top-Management.
3.)
Und wie erreichen Sie mit der „Fabrik im Seminarraum“ die Sensibilisierung?
Nicht mit bunten Folien! Die meisten Qualifizierungsmaßnahmen zielen auf eine homogene Gruppe von Menschen ab. Der so genannte Lernerfolg braucht angeblich homogene Gruppen in der Hoffnung, dass niemand unterfordert oder überfordert ist. In der Unternehmensrealität ist das allerdings sehr unrealistisch. Hier sind die unterschiedlichsten Menschen hinsichtlich Ausbildung, Alter, Intellekt, Kultur etc. vereint. Alle müssen mehr oder weniger die Unterschiedlichkeit des jeweiligen Anderen akzeptieren und haben letztlich ein gemeinsames Ziel, nämlich dass das Unternehmen erfolgreich ist. Denn daran sind im Grunde alle interessiert, ob Pförtner, Sachbearbeiter oder Manager.
Wie Sie sich sicherlich vorstellen können, ist es nicht immer ganz einfach, wenn mehrere Menschen gemeinsam eine abteilungsübergreifende Lösung erarbeiten müssen. Hier gibt es unterschiedliche Talente und Kompetenzen, unterschiedliche Empfindlich- und Befindlichkeiten, formelle und informelle Führer, Extrovertierte und Introvertierte und nicht zuletzt auch Machtansprüche. Alles völlig normal! Mit der Fabrik im Seminarraum provozieren wir letztlich, dass alle das gemeinschaftliche Handeln in Bezug auf Kommunikation, Führung, die eigene Leistungsfähigkeit und die eigene Persönlichkeit reflektieren. Wir halten einfach nur einen Spiegel hoch und zwar dem gesamten Unternehmen. Und glauben Sie mir, was darin zu sehen ist, ist für die Führungsriege oft schmerzlicher, als für viele andere.
Ob nun aufgrund der erfolgten Sensibilisierung der große Wurf im Sinne von Veränderung gelingt, ist eine völlig andere Frage. Ansatzpunkte für das Management gibt es nun aber genügend, um Kaizen nachhaltig einzuführen.
4.)
In der Weiterbildungslandschaft haben Sie im Umfeld zu Blended Learning Pionierarbeit geleistet, wird es die „Fabrik im Seminarraum“ auch im Blended Learning Ansatz geben?
Ja, derzeit arbeiten wir an einem solchen Konzept und ich gehe davon aus, dass wir im Frühjahr des kommenden Jahres mit der ersten Version an den Markt gehen. Priorität hat im Moment allerdings der Aufbau eines „FiS-Network“ (Anm. der Redaktion: FiS steht für Fabrik im Seminarraum). Unser Ziel ist es einerseits, dass möglichst viele Berater und Trainer die Fabrik im Seminarraum mit in ihr eigenes Portfolio aufnehmen, damit Kaizen nicht mehr länger losgelöst von Change gesehen wird und andererseits möchten wir mit den Kolleginnen und Kollegen die Fabrik im Seminarraum weiterentwickeln.
5.)
Networking war schon immer eines Ihrer Steckenpferde. Sie Twittern, sind bei Facebook, bei Google+ und auf Tumblr beruflich sowie privat unterwegs. Welche Bedeutung haben für Sie die Social Media Kanäle?
Ach wissen Sie, zu den Social Media Kanälen bin ich persönlich eher zufällig gekommen. Meine erste Berührung damit hatte ich als Xing noch OpenBC hieß. Seit rund einem Jahr habe ich auch auf Facebook ein Profil und so um die 500 „Freunde“ dort. Viele davon kenne ich persönlich gar nicht, aber auf einen Großteil dieser „Bekanntschaften“ möchte ich nicht mehr verzichten. Meinen persönlichen Blog betreibe ich erst seit kurzem und dort „erzähle“ ich im Moment gerade aus meinem „Zusammenleben mit einem pubertierenden Mitbewohner“.
Beruflich haben Facebook, Twitter & Co. eine andere Bedeutung für mich. Eine Vielzahl der Kontakte, die wir als Learning Factory dort haben, hätten wir ohne diese Kanäle überhaupt nicht. Entscheidend ist für uns allerdings hier nicht die Anzahl der Follower oder wie viele „gefällt mir“ geklickt haben. Hier legen wir großen Wert auf Qualität und nicht auf Quantität – auch wenn wir die Quantität natürlich nur bedingt beeinflussen können. Networking im beruflichen Kontext – ob nun real oder virtuell – sehe ich grundsätzlich als eine hervorragende Möglichkeit, um über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und um Erfahrungen mit anderen auszutauschen.
Die so genannten „neuen Medien“ bieten vor allem aber eines. Lange bevor man sich persönlich kennen lernt, erhält man einen ersten Eindruck von seinem „Gegenüber“. Dies gilt für uns genauso wie für einen künftigen Netwerkpartner und/oder Kunden.
6.)
Lohnt sich überhaupt der Aufwand, den Sie mit der Social Media Strategie für die Learning Factory verfolgen?
Strategie? Ich würde nicht sagen, dass wir, wie sicherlich eine Vielzahl von kleinen und großen Unternehmen auch, strategisch im Kontext einer Unternehmensstrategie im Bereich von Social Media vorgehen oder vorgegangen sind.
Begonnen haben wir mit einer Facebook-Seite, gefolgt mit einem Twitter-Account. Irgendwann ist unser Blog auf Tumblr hinzugekommen. Auf unserer Internetseiten präsentieren wir uns, ich möchte es einmal umfassend und grundsätzlich nennen, allerdings nur bedingt aktuell in Echtzeit. Auf unseren Social Media Angeboten „berichten“ wir stets aktuell und wenn wir es für sinnvoll erachten direkt aus einer Veranstaltung heraus, indem wir Bilder, Kommentare oder gar kleine Videos posten. Oder wir informieren unsere „Follower“ und „Freunde“ über aktuelle Entwicklungen und Ereignisse in einer Art Stenografiestiel. Mit unserem Blog auf Tumblr versuchen wir die Vorteile, die uns eine klassische Internetseite sowie die Social Networks wie Facebook und Twitter bieten, zu kombinieren. Auf Tumblr sind wir zeitversetzt ausführlicher und inhaltlich tiefer. Wir meinen, dass wir mit unserem Social Media Angebot für jeden etwas bieten, der sich inhaltlich für uns interessiert. Klar ist aber, dass wir damit auch einen gewissen Marketingansatz verfolgen. So gesehen hat sich in der Tat der Aufwand in Bezug auf die zeitlichen Ressourcen vergrößert. Aber wir erhalten quasi als Gegenleistung „mehr Reichweite“, so dass es sich bislang gelohnt hat und es sich auch weiterhin lohnt, diesen Aufwand zu betreiben. An unserem YouTube Kanal müssen wir allerdings noch arbeiten.
7.)
Sie haben sich als erster Weiterbildungsanbieter dazu entschlossen, den Spreadly Button auf ihrer Unternehmensseite und auf Ihrem Blog einzubauen. Warum ist Ihrer Meinung nach Social Sharing wichtig?
Sind wir in der Tat der erste in der Weiterbildungslandschaft, die den Spreadly Button nutzen? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen! Also, den „Mund-zu-Mund-Propaganda-Button“ wie ich den Spreadly Button nenne, bietet uns in zweierlei Hinsicht Möglichkeiten, die wir in der bisherigen Form so nicht hatten. Die erste Möglichkeit und dies ist uns aus Marketingsicht besonders wichtig, dass unsere Internetangebote von jemandem mit nur einem(!) Klick des Spreadly Buttons weiterempfohlen werden. Wenn dieser jemand z.B. weitere Social Network – Profile wie Facebook, LinkedIn etc. angelegt hat und zusätzlich noch Twittert, dann empfiehlt er über den Spreadly Button uns und damit unsere Angebote seinem gesamten Netzwerk. Wenn in diesem Netzwerk ein anderer Jemand ebenfalls den Spreadly Button bei uns klickt, erreichen wir binnen kürzester Zeit eine Verbreitung von enormem Ausmaß. Wir sind uns aber auch bewusst darüber, dass am Ende der Kette der „Verpuffungseffekt“ ebenfalls recht groß ist. Daher ist uns die Qualität, wie ich bereits sagte, unserer Kontakte besonders wichtig. Übrigens ist der „Verpuffungseffekt“ bei traditionellen Aktionen wie z.B. postalischen Mailings im Rahmen einer Kaltakquise um ein vielfaches größer. Insofern bin ich schon überrascht, dass wir die ersten Anbieter in der Beratungs- und Weiterbildungslandschaft sind, die den Spreadly Button verwenden. Meiner Meinung nach müssten doch alle Vertriebsberater und Marketingberater- und Trainer den Spreadly Button schon längst auf ihren Internetangeboten eingebaut haben, um Ihre eigenen Angebote über diese Plattform hervorzuheben und zu verbreiten.
Ein weiterer Aspekt – und das finden wir besonders charmant – ist, dass wir mit Spreadly die Möglichkeit haben, demjenigen, der den Spreadly Button bei uns klickt, etwas zu schenken. Mit der „Deal-Funktion“ bedanken wir uns sozusagen für das Klicken auf den „Spreadly Mund-zu-Mund-Propaganda Button“ und das alleine ist bereits ein interessanter Marketingansatz.
Vielen Dank










